Bregenzer

Festspielzeit

blaue illustrierte Wellen
Aktualisiert am 10. Juni 2026

Text: Johanna Fußenegger
Der Text erschien in Ausgabe 3 (6/26). 

Lesezeit 3 Min.

Rakete aus Holz

Wer wollte nicht schon einmal jemanden auf den Mond schießen? In den Werkstätten der Bregenzer Festspiele wird genau daran gearbeitet: Dort entsteht das Bühnenbild für Leoš Janáčeks Die Ausflüge des Herrn Brouček – samt flugfähigem Haus, das seinen Bewohner unfreiwillig ins All katapultiert.

Person steht vor zwei großen, spitz zulaufenden Holzstrukturen und berührt eine davon

Ein Mann, der einfach nur seine Ruhe haben möchte, landet plötzlich auf dem Mond. Wenig später kehrt er zur Erde zurück und befindet sich im Prag des Mittelalters. Was wie ein Fiebertraum klingt, wird bei den Bregenzer Festspielen Realität: Erstmals kommt Leoš Janáčeks selten gespielte Oper Die Ausflüge des Herrn Brouček in den Großen Saal des Festspielhauses. Das Bühnenbild für das satirische Meisterwerk ist besonders spektakulär, auch für das Team, das es baut.

 

„Als ich die Bühnenbildpräsentation gesehen habe, dachte ich: ‚Wow, wenn wir das so hinkriegen, wird das in jedem Fall beeindruckend‘“, sagt Shantira Kosol. Sie arbeitet in der Tischlerei der Bregenzer Festspiele und fertigt das Haus an, mit dem Brouček unfreiwillig zum Mond fliegt und in das Prag des 15. Jahrhunderts abtaucht. Die Schwierigkeit: Die Konstruktion darf nicht zu schwer sein und muss doch Stabilität bieten.

Im ersten Akt der Oper verwandelt sich das beinahe fünf Meter hohe Haus in eine Rakete und katapultiert den überraschten Matěj Brouček ins Weltall. Für den selbstzufriedenen Spießbürger beginnt hier das Abenteuer.

Großer, trapezförmiger Bühnenaufbau aus Holz mit rechteckigen Ausschnitten, der an einem grünen Hebeband hängt

Das Haus hat bis zu seinem großen Auftritt schon einige aufregende Stationen hinter sich: Im CAD-Programm wurden die Hausteile als 3D-Modell gezeichnet und anschließend mit einer CNC-Fräse ausgeschnitten. Die tragenden Holzrahmen wurden danach in Leichtbauweise verkleidet – mit einer dünnen Holzplatte verklebte Dämmplatten bilden Boden, Seitenwände und Dach des Hauses. „Wir nennen das Sandwichplatte“, erzählt Shantira. In der Tischlerei und in einer externen Montagehalle in Dornbirn hat das Team alle Holzteile der Bühnenbilder gefertigt. Die jedes Jahr wechselnde Oper im Festspielhaus und die aufwendigen Kulissen der Seebühne bringen Abwechslung und neue Herausforderungen. Damit Broučeks Heim auch „fliegen“ kann, hat sich das Team eine einfache, aber effektive Lösung überlegt: Es wird an den Hubmast eines Gabelstaplers geschraubt. Dieser wurde etwas umkonstruiert und kann das Haus jetzt drehen und kippen lassen. Die aus Massivholz gefertigte Rückwand sorgt für die nötige Stabilität. Alleine der Rohbau wiegt bereits 600 Kilo.

Wow, wenn wir das so hinkriegen, wird das in jedem Fall beeindruckend

Shantira Kosol

Seit Anfang Mai ist der Rohbau des Hauses fertiggestellt, erhielt einen schwarzen Anstrich und graue Fensterrahmen. Im Inneren beklebt die Tapeziererei die Wände mit einem grauen Muster – demselben, mit dem auch Broučeks Sessel bezogen wird. Selbst der Fernseher hebt sich kaum davon ab: Das ganze Bild macht einen biederen, monotonen Eindruck, was Broučeks Einstellung zum Leben reflektiert.

Das fertige Bühnenbild ist erstmals bei der Premiere am 23. Juli 2026 zu sehen. Bis dahin wird das Haus seine Reise durch die Werkstätten der Bregenzer Festspiele vollendet haben und bereit sein für Die Ausflüge des Herrn Brouček.

Die Ausflüge des Herrn Brouček
Leoš Janáček

 

23. Juli 2026 – 19.30 Uhr Premiere
Festspielhaus, Großer Saal


Die Vorstellung am 3. August bietet eine Live-Audiodeskription für blinde und sehbehinderte Personen. Weitere Informationen finden Sie hier.