Geschichte der Bregenzer Festspiele

Gründung, Geschichte und Entwicklung

Kommen Sie mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit der Bregenzer Festspiele: Das Online-Archiv lässt Sie eintauchen in 71 Jahre Spiel auf dem See und zeigt Ihnen Jahr für Jahr die schönsten Momente großartiger Aufführungen des Festivals am Bodensee.

Geschichte

2015

Mit einer Auslastung von 98 Prozent beim Spiel auf dem See beendeten die Bregenzer Festspiele ihre 70. Saison. Von den insgesamt rund 228.000 Besuchern hat allein Turandot mehr als 171.000 Zuschauer angezogen. Die letzte Oper des italienischen Komponisten Giacomo Puccini überzeugte in der Regie und im Bühnenbild von Marco Arturo Marelli sowie unter der musikalischen Leitung von Paolo Carignani und Giuseppe Finzi Publikum und Kritiker gleichermaßen. Im Festspielhaus gelangte die Oper Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach zur Aufführung. Die Oper in der Inszenierung von Stefan Herheim sahen mehr als 7.500 Besucher bei einer Auslastung von 98 Prozent. Die musikalische Leitung hatte Johannes Debus.

Die beiden Opern-Komponisten der Saison 2015 waren auch bei den Orchesterkonzerten mit den Wiener Symphonikern zu erleben: Von Giacomo Puccini gelangte Messa di Gloria zur Aufführung, Jacques Offenbach war mit seinem Konzert für Violoncello und Orchester vertreten. Erstmals in Österreich zu hören war Miroslav Srnkas neuestes Orchesterwerk No Night No Land No Sky, das im Mai 2014 in Köln uraufgeführt wurde. Darüber hinaus standen Werke von Luciano Berio, Johannes Brahms, Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Schubert auf dem Programm. Das Symphonieorchester Vorarlberg spielte die Wesendonck-Lieder von Richard Wagner sowie Johannes Brahms' Symphonie Nr. 4 e-Moll.

Neu: Opernstudio und Opernatelier

Einen erfrischenden Einstand gab das neugegründete Opernstudio mit sechs jungen Sängerinnen und Sängern in der Debüt-Produktion von Così fan tutte im Bregenzer Kornmarkttheater. Bereits im Mai bot das Festival im Kunsthaus Bregenz inspirierende Einblicke in das ebenfalls neugegründete Opernatelier, das im Sommer 2017 die Uraufführung eines Musiktheaterwerkes hervorbringen soll. Außerdem auf dem Programm der 70. Bregenzer Festspiele waren die Österreichische Erstaufführung von Der Goldene Drache sowie die Programmreihe Musik & Poesie.

Im 20. Sommer seit Gründung von crossculture erlebten neben der crossculture night bei Turandot weitere rund 2.000 Kinder und Jugendliche in Workshops, beim Fest des Kindes, bei Brass meets Banda sowie weiteren Veranstaltungen einen jungen Festspielsommer, der nicht nur zum Zusehen, sondern auch zum Mitmachen einlud.

Eine Million TV-Zuseher

Zu einer Premiere der besonderen Art avancierte in einem länderübergreifenden TV-Ereignis die Fernsehübertragung von Turandot: Erstmals zeigten die drei Sender SWR, SRF und ORF das Spiel auf dem See nicht nur gleichzeitig, sondern ließen die Zuschauer in einer sogenannten Backstage-Fassung in Echtzeit auch hinter die Kulissen der Opern-Aufführung blicken und dabei unter anderem Mitwirkende zu Wort kommen. Zusätzlich übertrug 3sat das Bühnengeschehen vollständig. Mehr als eine Million TV-Zuseher waren insgesamt mit dabei. Noch nie sahen so viele Menschen eine Bregenzer Operninszenierung im Fernsehen.

2014

Die Bregenzer Festspiele 2014 sorgten mit insgesamt rund 264.000 Besuchern für eine Rekordsaison. Bei einer Auslastung von einhundert Prozent entfallen auf das Spiel auf dem See Die Zauberflöte rund 204.000 Besucher. Die Mozartoper in der Inszenierung von Festspielintendant David Pountney ist damit die bestbesuchte Oper seit Festivalgründung 1946 und hat mit rund 406.000 Gesamtbesuchern in zwei Jahren das Musical West Side Story überflügelt, das 2003 und 2004 insgesamt 405.314 Menschen begeisterte. Insgesamt strömten in der Saison 2013 und 2014 mit rund 523.000 Besuchern so viele wie noch nie zu den Bregenzer Festspielen.

Mit einem facettenreichen Programm – darunter vier Musiktheater- und drei Kammermusik-Uraufführungen – verabschiedet sich Intendant David Pountney nach elf Jahren von den Bregenzer Festspielen. Unter dem Motto Wien zartbitter standen Werke des österreichischen Komponisten Heinz Karl Gruber im Mittelpunkt, darunter die Auftragskomposition Geschichten aus dem Wiener Wald als Oper im Festspielhaus sowie die satirische Oper Gloria von Jaxtberg im Theater am Kornmarkt. Daneben gab es ein neues Operngenre und zahlreiche zeitgenössische Kompositionen: Die aus den beiden direkt hintereinander gespielten Opern Die Nachtigall und Die unerwartete Schwalbe bestehende und erstmals gezeigte Familien-Oper wurde von einem Mehrgenerationen-Publikum im fast vollbesetzten Parkett des Großen Saals jubelnd aufgenommen.

KAZ – Kunst aus der Zeit zeigte auf der Werkstattbühne, im Kunsthaus Bregenz, im Seestudio und im Theater Kosmos, dass zeitgenössisches Musiktheater, Konzert und Puppenspiel ihr Festspielpublikum auch in diesem Sommer finden konnten. Die Auslastung beträgt 94 Prozent. Breit akklamiert war die von Benjamin Brittens War Requiem eröffnete Orchesterkonzertreihe der Wiener Symphoniker sowie Musik & Poesie im Seestudio des Festspielhauses. Für sein Abschiedskonzert mit dem Symphonieorchester Vorarlberg wählte David Pountney Werke von Leonard Bernstein sowie das Singspiel Der Schauspieldirektor von Wolfgang Amadeus Mozart in einer von ihm adaptierten Fassung.

"Die letzte Saison von David Pountney ist der mehr als gelungene Schlusspunkt einer fulminanten elfjährigen Ära des scheidenden Intendanten, in der sich das Festival maßgeblich weiterentwickelt und zahlreiche künstlerische Höhepunkte und Sternstunden beschert hat. Mein Dank gebührt aber nicht nur David Pountney, sondern allen Künstlern und Mitarbeitenden", erklärt Festspielpräsident Hans-Peter Metzler.

Festspielbuch Der fliegende Engländer

Wenige Wochen vor Start des Festspielsommers ist das neue Festspielbuch mit dem Titel Der fliegende Engländer erschienen. Auf 360 Seiten lässt der „großformatige Prachtband“ (Opernwelt) elf Jahre des Festivals in Text und Bild eindrucksvoll Revue passieren und blickt dabei auch auf bislang unbekannte Momente vor und hinter den Kulissen zurück. In dem von Axel Renner und Dorothée Schaeffer herausgegebenen Buch kommen in 103 Episoden ausschließlich Künstler oder andere direkt mit dem Festival verbundene Personen zu Wort, was teils tiefe Einblicke in das Innenleben des Kulturunternehmens ermöglicht. David Pountney wird dabei nicht nur oftmals zum Thema, sondern ist selbst als Verfasser zahlreicher Beiträge vertreten. Daneben bieten 291 Abbildungen einen optisch-opulenten Streifzug durch die Inszenierungen des Festivals.

2013

Restlos ausverkaufte Vorstellungen auf dem See und ohne Regenabsage durch die Saison 2013: Mit insgesamt 259.425 Besuchern gingen die 68. Bregenzer Festspiele überaus erfolgreich zu Ende. Das Spiel auf dem See Die Zauberflöte war bereits kurz nach der Premiere am 17. Juli nahezu ausverkauft und sorgte mit 28 Vorstellungen für eine Besucherzahl von 202.663. Die Mozart-Oper liegt damit etwa gleichauf mit Aida des Jahres 2009 als bestbesuchte Oper. Nur das Musical West Side Story erlebten im Jahr 2003 mehr Zuschauer.

Aber nicht nur das Spiel auf dem See konnte die hohen Erwartungen sowohl in künstlerischer als auch wirtschaftlicher Hinsicht erfüllen: Unter dem Motto Dem Licht entgegen präsentierten die Bregenzer Festspiele mit der Uraufführung von Der Kaufmann von Venedig einen weiteren Programm-Höhepunkt und setzten gleichzeitig die Reihe noch nie gespielter Werke im Festspielhaus fort. Insgesamt sahen 3.795 Zuschauer die in den 70er- und 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts entstandene Oper des polnischen Komponisten André Tchaikowsky (1935-1982).

Neben den Traditions-Opern auf dem See und im Festspielhaus präsentierte das Festival unter anderem die Uraufführung von The Wasp Factory sowie die Österreichische Erstaufführung von American Lulu mit jeweils zwei ausverkauften Vorstellungen, zahlreiche vom Publikum begeistert aufgenommene Orchesterkonzerte sowie ein umfangreiches Kinder- und Jugendprogramm.

Eine rundum gelungene Saison, meinen auch zahlreiche Pressestimmen: „Bei den Bregenzer Festspielen füllt David Pountney die Kassen mit Mozarts Zauberflöte und stellt mit André Tschaikowskys Der Kaufmann von Venedig erneut seinen Riecher für lohnende Raritäten unter Beweis“, schreibt die Opernwelt. Vor allem das beeindruckende Bühnenbild mit seiner Technik dahinter und die einzigartige Inszenierung bleiben in den Köpfen der Öffentlichkeit: „Eine fabelhafte Materialschlacht bietet die Bregenzer Festspiel-Zauberflöte. Und Hand und Fuß hat das Spektakel auch noch“, berichtet die Frankfurter Rundschau. „Eine Kulisse mit Know-how“, titeln die Vorarlberger Nachrichten und „ein Oper gewordener Kindertraum: die großartige Zauberflöte der Bregenzer Festspiele“, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

2012

„Bombastische Inszenierung“, „ein kaum zu kopierendes Opern-Zauberreich“ und „Zugabe bitte“ sind nur einige der zahlreichen Pressestimmen, die 2012 zu den 67. Bregenzer Festspielen erklingen. Mit insgesamt rund 147.000 Besuchern endet die Saison 2012. Auf das Spiel auf dem See André Chénier entfallen dabei 108.338 Besucher.

Mutig und Innovativ: In zwei Jahren sahen rund 230.000 Besucher die Oper André Chénier des italienischen Komponisten Umberto Giordano. Noch nie hat ein Opernhaus oder ein Festival in einem vergleichbaren Zeitraum derart vielen Besuchern dieses Werk zugänglich gemacht. Die Bregenzer Festspiele setzten damit ein klares Zeichen, dass auch eine weniger bekannte Oper ein großes Publikum erreichen kann.

Unter dem Motto Erinnerungen an die Zukunft begeisterten die Bregenzer Festspiele 2012 aber nicht nur mit André Chénier Publikum und Kritiker, sondern konnten auch mit der Uraufführung der Oper Solaris von Detlev Glanert punkten, dessen künstlerisches Schaffen im Zentrum weiterer Programmschienen stand.

Höhepunkt der zeitgenössischen Reihe „Kunst aus der Zeit“, kurz KAZ, war neben zwei Konzerten im Kunsthaus Bregenz und im Seestudio des Festspielhauses außerdem ein Wiedersehen mit der Berliner Theatertruppe Nico and the Navigators. Im Rahmen der Schauspielreihe war ein weiteres Mal das Schauspielhaus Wien zu Gast. Zu sehen: Makulatur, ein Stück des bekannten österreichischen Kinderpsychiaters und Prosaautors Paulus Hochgatterer.

Bei dem crossculture-Projekt 2012 traf Smetanas Die Moldau auf eine Meisterklasse junger Komponisten sowie auf ein offenes Community-Tanzprojekt: Das Stück Panta rhei – alles fließt! geriet auf der ausverkauften Werkstattbühne zu einem großen Erfolg für Laiendarsteller und Musiker.

2011

Der nasskalte Sommer 2011 bescherte den Bregenzer Festspielen begeisterte Besucher eines unbekannten Werks auf der Seebühne und erstmals eine Auftragskomposition als Oper im Festspielhaus. 

Von "Opernwunder" bis "Riesenshow", von "Hollywood-Musiktheater" bis "fulminante Inszenierung" reichten die begeisterten Kritiken für Umberto Giordanos Revolutionsoper André Chénier auf der Seebühne. Regisseur Keith Warner und Bühnenbildner David Fielding wählten Der Tod des Marat, das bekannteste Gemälde des Revolutionsmalers Jacques-Louis David, als Basis, Inspiration und Symbol für ihre Inszenierung von André Chénier. Erstmals diente damit ein historisches Gemälde als Vorlage für die Bühnenkulisse im Bodensee: Sie zeigt den radikalen Revolutionsführer Jean Paul Marat, der 1793 von einer Anhängerin der Gegenpartei in seiner Badewanne erstochen wurde.

Unter dem Motto Schöpfung stand der Festspielsommer abseits der Seebühne ganz im Zeichen des Schwerpunkts mit Werken der britischen Komponistin Judith Weir. Höhepunkte waren die erste Uraufführung einer Oper im Festspielhaus, Weirs neuestes Werk Achterbahn, die Oper im Kornmarkt Der blonde Eckbert, die ebenfalls aus Weirs Feder stammt, sowie die zahlreichen vom Publikum bejubelten Orchesterkonzerte, die schöpferische Geister zwischen Byron und Michelangelo, Shakespeare und Goethe in den Mittelpunkt rückten.

Im Rahmen der Schauspielreihe waren das Deutsche Theater Berlin und das Schauspielhaus Wien zu Gast. Während sich Waisen des Engländers Dennis Kelly im Gastspiel des Schauspielhauses vor allem um den Verrat unserer Grundwerte drehte, stand beim Deutschen Theater Berlin mit Gorkis Kinder der Sonne und Schimmelpfennigs Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes vor allem Fragen von Ignoranz, Ohnmacht und Verantwortung im Zentrum. 

„Nichts ist neu“ – „Nothing is New“ lautete die Antwort von Kunst aus der Zeit auf die diesjährige Festspielthematik. Zu sehen waren unter anderem Home Work, das neueste Werk des französischen Multimedia-Spezialisten François Sarhan, die Tanzperformance AS IF Stranger des Amerikaners Richard Siegal sowie das Stück Black Tie, das erste Bregenz-Gastspiel des bekannten Theaterkollektivs Rimini Protokoll. 

Die Jugendreihe crossculture bot neben den Klassikern crossculture night und fest des kindes 2011 auch eine weitere Auflage der crossculture week statt. Das Familienkonzert der magische klang und die schurken zeigte, wie man seine größten Ängste musikalisch überwinden kann und so zitternde Knie mit Rhythmus in den Griff bekommt.

2010

Ein kühler Sommer, ein sehr gut besuchtes Spiel auf dem See und ein gefeierter Schwerpunkt: So lassen sich die Bregenzer Festspiele 2010 kurz zusammenfassen. Giuseppe Verdis Aida –  am Bodensee ganz ohne Pyramiden, dafür mit blauen Füßen, einem kupfernen Elefanten und riesigen Kränen – erwies sich in zwei Jahren als die mit Abstand bestbesuchte Oper auf der Seebühne in der Geschichte des Festivals. 

Unter dem Motto „In der Fremde“ zeigten die Bregenzer Festspiele eine Retrospektive von Werken des vergessenen polnisch-russischen Komponisten Mieczysław Weinberg (1919 - 1996). Höhepunkte waren die szenische Uraufführung seiner Oper Die Passagierin als Oper im Festspielhaus, die österreichische Erstaufführung von Das Portrait im Theater am Kornmarkt sowie ein Symposium rund um Leben und Werk des Komponisten. Die Passagierin, ein Werk über das unerwartete Wiedersehen einer ehemaligen SS-Aufseherin und einer Auschwitz-Gefangenen, das auf der gleichnamigen Novelle der 1923 geborenen, polnischen Auschwitzüberlebenden Zofia Posmysz basiert, bewies eindrucksvoll, wie ein vermeintlich "schwieriges" Werk zu einem Publikumsmagneten werden kann. Im Oktober 2011 würdigte das in Berlin erscheinende Fachmagazin Opernwelt Weinbergs Die Passagierin als "Wiederentdeckung des Jahres".

Bereits im Juni präsentierten die Bregenzer Festspiele im Rahmen einer Filmwoche im Bregenzer Metro Kino Weinbergs filmkompositorisches Werk. Im Rahmen von Musik & Poesie gab im Seestudio neben Kammermusik aus der Feder Weinbergs auch Gedichte russischer Autoren rund um die Thematik „In der Fremde“ zu hören. 

Nachdem das Deutsche Theater Berlin den Festspielbesuchern bereits in den 1990er Jahren unvergessliche Theaterabende beschert hat, kehrte es 2010 unter seinem neuen Intendanten Ulrich Khuon, ehemals künstlerischer Leiter des in Bregenz ebenfalls bestens bekannten Thalia Theaters, an den Bodensee zurück. Zum Auftakt brachten die "Berliner" Joseph Conrads Herz der Finsternis  und Lukas Bärfuss' Öl, an den Bodensee.

Parallelen zu Weinberg taten sich auch im Rahmen von Kunst aus der Zeit auf, hatte doch die Oper Jacob's Room des amerikanischen Elektronikpioniers Morton Subotnick ein ähnliches Schicksal erlitten wie Weinbergs Passagierin: Statt auf einer Bühne landete das in den 70er Jahren komponierte, multimediale Werk in der Schublade und konnte erst im August 2010 auf der Werkstattbühne seine bejubelte, szenische Uraufführung feiern. 

Das andere "Festival im Festival", die Jugendreihe crossculture, überzeugte 2010 mit einem sehr umfangreichen und vielseitigen Programm, das vom Fest des Kindes und von Opern- und Bandworkshops über die Konzerte für Familien und Schulklassen rocky roccoco und Saiten! bis hin zur Aida-crossculture night reichte.

2009

Für das Spiel auf dem See versetzten Regisseur Graham Vick und Bühnenbildner Paul Brown Verdis monumentale Wüstenoper Aida kurzerhand ins Wasser und begeisterten mit dieser eigenwilligen Interpretation Besucher und Kritiker: Auftrittsorte für Sänger, Choristen und Statisten, lagen nicht nur am, sondern stellenweise auch im Wasser. Außerdem wurde die aus Teilen einer zerborstenen Statue bestehende Bühne mittels zweier riesiger Kräne allabendlich vor den Augen des Publikums zusammengesetzt. In ihrem ersten Sommer am Bodensee erwies sich die Oper Aida als bestbesuchte Opernproduktion auf der Seebühne, nur knapp hinter dem Musical West Side Story 2003. 

Die Oper König Roger des polnischen Komponisten Karol Szymanowski war als Oper im Festspielhaus zu sehen. Sowohl die Inszenierung von Intendant David Pountney im Bühnenbild von Raimund Bauer als auch die musikalische Umsetzung unter der Leitung von Sir Mark Elder am Pult der Wiener Symphoniker wurden als "grandiose" Leistungen gewürdigt, die einen "wahren Festspielabend" bescherten.

Dank eines fulminanten Gastspiels der englischen Opera North Leeds gab es 2009 nicht nur eine, sondern gleich drei Operetten im Festspielhaus zu sehen. Gezeigt wurden Schostakowitschs rasante Wohnbau-Komödie Paradies Moskau, Gershwins bissige Präsidenten-Satire Für Dich Baby! und Hautnah, des englischen Komponisten David Sawer.

Kunst aus der Zeit trug 2009 erstmals zur Gänze die Handschrift der neuen künstlerischen Leiterin Laura Berman. Zu hören und zu sehen gab es unter anderem die neuesten Werke des britischen Komponisten-Altmeisters Sir Harrison Birtwistle (Semper Dowland & The Corridor) und der Berliner Truppe Nico and the Navigators zusammen mit der Musicbanda Franui (Anaesthesia). Im Rahmen des Schwerpunkts My Musig beschäftigen sich drei internationale Künstler mit Vorarlberger Klängen und Vorarlberger Musik.

2008

Ein ganz besonderes Jahr: James Bond und ZDF-Arena auf der Seebühne

Für die spektakuläre Umsetzung von Puccinis Opernthriller Tosca begeisterten sich 2008 nicht nur Besucher aus aller Welt: Im Juli 2007 hatte ein Team von EON Productions, der Produktionsfirma, die hinter den Bond-Filmen steht, eine der letzten Tosca-Proben besucht. Produzentin Barbara Broccoli und Regisseur Marc Forster waren beeindruckt – von der einzigartigen Location am Bodenseeufer, dem imposanten Bühnenbild mit seinen technischen Möglichkeiten und der modernen Architektur des Festspielhauses. Und so wurde die Bregenzer Tosca Anfang Mai 2008 für zehn Tage zum Schauplatz des Bond-Streifens Quantum of Solace. In siebeneinhalb Minuten packender Action im Festspielhaus und auf der Seebühne entdeckt Bond während der Tosca-Vorstellung erstmals seine Widersacher. Regisseur Marc Forster hat das Spiel auf dem See auf ganz eigene Art und Weise in die Filmhandlung eingefügt: Die Jagd durch das Festspielhaus läuft am Schluss ab wie ein apokalyptischer Stummfilm – immer wieder durchsetzt mit den eindrucksvollen Szenen der Oper.

Kurz darauf, im Juni 2008, war das Tosca-Auge dann nicht mehr blau sondern ZDF-Orange: Die Seetribüne wurde während der Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und in der Schweiz zur Public Viewing Arena: An allen ZDF-Spieltagen moderierte und kommentierte die „ZDF-Dreierkette“ Johannes B. Kerner, Jürgen Klopp und Urs Meier vor tausenden begeisterten Fans. Mehr als 160.000 Schlachtenbummler feierten drei Wochen lang ein Fußballfest. 

Der Festspielsommer 2008

Nach den Bond-Dreharbeiten und dem ZDF-EM-Studio konnte das – inzwischen wieder blaue – Tosca-Auge im Rahmen des Festspielsommers 2008 auch in seiner „Originalform“, nämlich als Opernkulisse, die Besucher an den Bodensee locken: Sie machten Tosca zur bestbesuchten Seebühnen-Opernwiederaufnahme der vergangenen zehn Jahre.

Das weitere Festspielprogramm stand im Sommer 2008 ganz im Zeichen eines umfangreichen Schwerpunkts, der dem österreichischen Komponisten Ernst Krenek gewidmet war. Im Zentrum stand Kreneks „Bühnenwerk mit Musik“ Karl V. als Oper im Festspielhaus sowie Kehraus um St. Stephan als Operette im Kornmarkt. Die Orchesterkonzerte der Wiener Symphoniker und des Symphonieorchesters Vorarlberg drehten sich mit Werken rund um Götter, Könige und Parteivorsitzende ganz um die Thematik „Macht und Musik“. Der Ernst-Krenek-Schwerpunkt der Bregenzer Festspiele wurde darüber hinaus im September 2009 der von der Fachzeitschrift „Opernwelt“ als „Wiederentdeckung des Jahres“ ausgezeichnet. 

Zwei ausverkaufte Schauspielproduktionen – das Wiener Theater in der Josefstadt mit Buddenbrooks von John von Düffel nach Thomas Mann im Theater am Kornmarkt, das Hamburger Thalia Theater mit René Polleschs Die Welt zu Gast bei reichen Eltern im Shed8 – und hervorragende Kritiken haben den neuen Schauspielschwerpunkt auch in seinem zweiten Jahr zu einem Highlight des Festivalsommers gemacht. 

Die zeitgenössische Reihe Kunst aus der Zeit konnte in diesem Jahr auf der Werkstattbühne mit drei Uraufführungen aufwarten, das Jugendprogramm crossculture erreichte mit dem umfangreichsten Programm seit Anbeginn einen neuen Teilnehmer- und Besucherrekord. 

2007

Giacomo Puccinis Opernthriller Tosca, das Spiel auf dem See 2007/2008, erwies sich als ideale Wahl für die Seebühne: Nicht nur die packende Inszenierung von Philipp Himmelmann und das spektakuläre Bühnenbild von Johannes Leiacker, sondern auch die großen, emotionalen Momente dieser Oper zogen das Publikum in ihren Bann. Das neue Seebühnen-Soundsystem BOA konnte überzeugen: „Erstmals ist auf der Seebühne der Klang genauso spektakulär wie die Szene“, hieß es etwa im Münchner Merkur.

Abseits der Seebühne stand der Festspielsommer 2007 ganz im Zeichen des Schwerpunkts „Britten and Britain“: Das Festival präsentierte nicht nur das erste und letzte Musiktheaterwerk des englischen Komponisten Benjamin Britten, sondern auch zahlreiche seiner Orchesterwerke. Höhepunkt war Yoshi Oidas einfühlsam-schlichte Inszenierung von Brittens Spätwerk Tod in Venedig. Als zweite Britten-Rarität war die Operette Paul Bunyan im Kornmarkttheater zu sehen. 

Mit Gastspielen des Wiener Theaters in der Josefstadt (Gefährliche Liebschaften) und des Hamburger Thalia Theaters (Ein Sommernachtstraum) rückte im Sommer 2007 das Schauspiel wieder verstärkt ins Zentrum des Festspielprogramms. Kunst aus der Zeit zeigte unter dem Motto „Made in Britain“ unter anderem die österreichische Erstaufführung der Oper The Shops sowie Ben Masons Fußballoper Playing Away in der Regie von David Pountney.

2006

Der Sommer 2006 stand vor allem im Zeichen des neu sanierten Festspielhauses – dem „schönsten Geburtstagsgeschenk zum 60-jährigen Festspieljubiläum“, wie es Festspielpräsident Günter Rhomberg nannte: „Endlich war es in diesem Sommer möglich, dem Publikum unser Programm in einer Infrastruktur darzubieten, die der Qualität der Festspielaufführungen gerecht wird.“

Das Spiel auf dem See der Jahre 2005 und 2006, Der Troubadour, konnte sich unter die erfolgreichsten Opern auf der Seebühne der vergangenen zehn Jahre einreihen: 301.573 Besucher sahen in zwei Jahren die spektakuläre Inszenierung von Robert Carsen und Paul Steinberg. 

Einhellige Begeisterung bei Kritik und Publikum gab es für die Oper im Festspielhaus Der Untergang des Hauses Usher von Claude Debussy: In der ersten Opernproduktion im Rahmen der Bregenzer Festspiele auf der Bühne des neu renovierten Festspielhauses gelang es auf einzigartige Weise, Debussys Ballette Prélude à l’après-midi d’un faune und Jeux sowie den neu vollendeten Operneinakter Der Untergang des Hauses Usher zu vereinen. 

Die zeitgenössische Programmreihe Kunst aus der Zeit und die Orchesterkonzerte erzielten Besucherrekorde.

2005

David Pountneys Entscheidung, nach dem Musical West Side Story mit Giuseppe Verdis Der Troubadour wieder zu epischen Opern auf der Seebühne zurückzukehren, war großer Erfolg beschieden: Das erste Spiel auf dem See unter seiner Intendanz ist die bestbesuchte Oper seit 1998 und hat damit sowohl Ein Maskenball (1999) als auch La Bohème (2001) überflügelt. 172.862 Menschen erlebten Giuseppe Verdis Meisterwerk im spektakulären Bühnenbild von Paul Steinberg und der packenden Inszenierung von Robert Carsen.
Die Oper im Festspielhaus und die Orchesterkonzerte standen im Sommer 2005 ganz im Zeichen eines Festspielschwerpunkts rund um das Werk des dänischen Komponisten Carl Nielsen. Seine Oper Maskerade erfreute sich ale Oper im Festspielhaus eines regen Publikumszuspruchs und bestätigte Pountneys Konzept eines eigenen künstlerischen Schwerpunkts für die vier Festspielwochen: Nicht nur die Werkauswahl, auch David Pountneys temperamentvolle Inszenierung von Nielsens humorvoller Oper rund um ein Maskenfest beeindruckte.

Was im vergangenen Jahr mit Weills Der Kuhhandel so erfolgreich begonnen wurde, konnte auch 2005 im Bregenzer Kornmarkttheater fortgesetzt werden: Alle Vorstellungen von Johann Strauß’ vergessener Operette Der Lustige Krieg waren restlos ausverkauft – was eindrücklich bewies, dass Pountneys Idee, das Kornmarkttheater für die Wiederentdeckung selten gespielter Operetten zu nutzen, vom Publikum begeistert angenommen wird.

Die zeitgenössische Schiene KAZ Kunst aus der Zeit konnte sich im zweiten Jahr von Intendant David Pountney weiter etablieren und erreichte eine Besucherzahl von 3.751. Das entspricht einer Auslastung von 92 Prozent im Kunsthaus Bregenz und 86 Prozent auf der Werkstattbühne. Die Auflage des KAZ-Passes – der Ermäßigungsausweis für alle Veranstaltungen der Reihe Kunst aus der Zeit – , die im vergangenen Jahr aufgrund der großen Nachfrage verdoppelt wurde, wurde 2005 um weitere 40 Prozent aufgestockt und war bereits im Juli restlos ausverkauft.

2004

Die erste Festspielsaison des neuen Intendanten David Pountney brachte ganz dem Motto „Kontinuität und Erneuerung“ entsprechend die Wiederaufnahme von Bernsteins gefeiertem Erfolgsmuscial West Side Story auf der Seebühne sowie auch zahlreiche Neuerungen: Gleich zu Beginn des Festspielsommers sorgte die neu gestaltete Eröffnung für frischen Wind: „Ernsthafte, interessante Ideen in einem populären Format zu präsentieren, das ist es, was die Bregenzer Festspiele zu einem so einzigartigen Festival gemacht hat. Diesen Weg weiterzugehen und zu vertiefen war und ist mein erklärtes Ziel“, so Intendant David Pountney über seine erste Saison. Erstmals stand der Festspielsommer ganz im Zeichen eines speziellen Schwerpunkts, der 2004 dem Komponisten Kurt Weill gewidmet war. So wurden im Rahmen der Oper im Festspielhaus Weills selten gespielte Frühwerke Der Protagonist und Royal Palace aufgeführt, während im Bregenzer Kornmarkttheater seine vergessene Operette Der Kuhhandel in der Inszenierung von Intendant David Pountney den Auftakt einer neuen Operettenschiene bildete. Die Besucherzahl der zeitgenössischen Programmreihe Kunst aus der Zeit KAZ hat im Sommer 2004 alle Erwartungen übertroffen: Von David Pountney ausgebaut und weiter aufgewertet, konnte KAZ mit zahlreichen Ur- und Erstaufführungen aufwarten, darunter The Story of Io des britischen Komponisten-Altmeisters Sir Harrison Birtwistle und Hoffmanniana des jungen Vorarlberger Komponisten Thomas Dézsy. Das Hamburger Thalia Theater begeisterte die Zuschauer mit der satirischen Rentnerkomödie Thalia Vista Social Club.

2003

Im Abschiedsjahr des langjährigen Intendanten Alfred Wopmann brachte das Festival Leonard Bernsteins Erfolgsmusical West Side Story auf die größte Seebühne der Welt: Bernstein schuf mit der zeitlosen Liebesgeschichte eine neue und zugleich einzigartige Form des Musiktheaters. Unvergessliche Songs wie Maria, America oder Tonight und eine atemberaubende Choreographie zogen die Zuschauer im Sommer 2003 auf der Seebühne in ihren Bann. Regie führte die Amerikanerin Francesca Zambello, für die Choreografie zeichnete Richard Wherlock verantwortlich, das Bühnenbild stammte von George Tsypin. Im Festspielhaus stand Leos Janaceks Oper Das Schlaue Füchslein auf dem Programm: Ähnlich wie in Mozarts Zauberflöte spielen in dieser Oper die Naturelemente und ihr ewiger Kreislauf eine zentrale Rolle. Es inszenierte Daniel Slater, für die Ausstattung zeichnete Robert Innes Hopkins verantwortlich. Kunst aus der Zeit brachte unter anderem die Uraufführung der neuen Oper des Komponisten Georg Friedrich Haas Die schöne Wunde. Das Hamburger Thalia Theater gastierte im Sommer 2003 erstmals mit einer Premiere: Zu sehen Nacht und Träume von Samuel Beckett.

2001 und 2002

Nach dem grossen Erfolg von Guiseppe Verdis Ein Maskenball auf der Seebühne setzen die Bregenzer Festspiele weiterhin auf das fulminante britische Regieduo Richard Jones und Antony McDonald. Auf dem Programm steht Giacomo Puccinis Erfolgsoper La Bohème, in deren Zentrum Leben, Gefühle, Sehnsüchte und Hoffnungen einer Gruppe junger Künstler in der Grossstadt Paris stehen. Auch in der Oper im Festspielhaus, Carlisle Floyds Of Mice and Men nach dem berühmten, gleichnamigen Roman von John Steinbeck, geht es um die Traumwelten, Hoffnungen und Enttäuschungen zweier Aussenseiter der Gesellschaft. Außerdem ebnen Bregenzer Festspiele im Sommer 2001 zeitgenössischem Kunstschaffen neue Wege: Kunst aus der Zeit bringt in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Thalia Theater zeitgenössisches Theater auf die Wekstattbühne, während eine neue Kooperation mit dem Kunsthaus Bregenz ganz im Zeichen des Themas "Amerika des 20. Jahrhunderts" steht.

1999 und 2000

Als Spiel auf dem See kommt 1999 erstmals in der Geschichte der Bregenzer Festspiele Ein Maskenball von Giuseppe Verdi zur Aufführung. Zu einer Musik, die Kontraste wie Tanz und Tod in sich vereinigte, trat eine szenische Umsetzung, deren Bilder im Sommer 1999 um die Welt gingen. Weitere Highlights waren die Opern im Festspielhaus – 1999 Bohuslav Martinus Griechische Passion, 2000 Der Goldene Hahn von Nikolai Rimsky Korsakow – sowie auf der Werkstattbühne 1999 die Mono-Oper Das Tagebuch der Anne Frank von Grigori Frid und das fringe-festival sowie 2000 Astor Piazzollas Tango-Operita Maria de Buenos Aires.

1997 und 1998

Die Bregenzer Festspiele machen sich auf zu neuen Ufern. Sichtbares Zeichen dafür ist einerseits der mächtig aus dem See emporragende Highway als Kulisse für George Gershwins Porgy and Bess, Neuorientierung und Aufbruch signalisiert vor allem aber die Werkstattbühne, die völlig neue Perspektiven eröffnet. Die Werkstatt- und Probebühne ergänzt die Theaterschauplätze See und Festspielhaus, sodass 1998 mit drei verschiedenen Bühnen - der Seebühne, dem Grossen Saal im Festspielhaus und der neuen Werkstattbühne - insgesamt 12.000 Theaterplätze zur Verfügung stehen. 1998 fand die szenische Urauffühung von Georg Friedrich Haas' Oper Nacht auf der Werkstattbühne statt. Die Bregenzer Festspiele setzen mit dem Programm cross culture eindrucksvolle Akzente im Programmbereich für ein jugendliches Publikum und erreichen damit jährlich bis zu 10.000 Jugendliche. cross culture erhält 1998 den Österreichischen Staatspreis für Public Relations.

1995 und 1996

Die Bregenzer Festspiele werden zum 50. Mal durchgeführt. Mit Beethovens Fidelio auf der Seebühne (Dirigent Ulf Schirmer, Regie David Pountney, Bühne Stefanos Lazaridis) und Rimski-Korsakows Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch (Dirigent Vladimir Fedoseyev, Regie Harry Kupfer, Bühne Hans Schavernoch) wird die Bregenzer Dramaturgie, einem populären Werk auf der Seebühne ein unbekanntes im Festspielhaus entgegenzusetzen, fortgeführt.

In den Jubiläumsjahren der Bregenzer Festspiele übersteigt das Zuschauerinteresse alle Erwartungen, auch Zusatztribünen und der Einschub von zusätzlichen Vorstellungen können die Kartennachfrage nur unzureichend befriedigen. Mit insgesamt 318.000 Zuschauern wird Fidelio zur bestbesuchten Produktion auf der Seebühne.

1993 und 1994

Das Zuschauerinteresse für die Seeproduktion Nabucco übersteigt alle Erwartungen; auch mit der Errichtung von Zusatztribünen und dem Einschub von zusätzlichen Vorstellungen kann das  Interesse nur unzureichend befriedigt werden. Über 300.000 Menschen erleben in diesen beiden Sommern Verdis Nabucco auf der Seebühne. Nach langen Diskussionen wird der Bau einer Probebühne von den Subventionsgebern bewilligt. Direkt beim Festspielhaus angedockt soll sie die Produktionsbedingungen wesentlich erleichtern und somit auch kostengünstiger machen.

1988

Die Bregenzer Dramaturgie setzt auch im Festspielhaus neue Akzente. Als Gegengewicht zum opulenten Spiel auf dem See werden Opernraritäten aufgeführt. Mit künstlerisch anspruchsvollen und modernen Inszenierungen sollen zu Unrecht selten gespielte bzw. vergessene Opern ihren Weg zurück in die Spielpläne finden. International stark beachtet festigt diese Aufführungsschiene, der eine eigene Bühnenästhetik zugrunde liegt, den Ruf der Bregenzer Festspiele als innovatives Festival.

1985

Mit dem Triumph der Zauberflöte auf der Seebühne wird eine neue Ära eingeleitet. In  Zukunft wird das Spiel auf dem See jeweils zwei Sommer lang gespielt. Die Bühnenaufbauten werden nun stabiler, da sie auch im Winter stehen bleiben. Die Entwicklung einer eigenständigen Bregenzer Dramaturgie soll vor allem die Hemmschwellen des Publikums abbauen und den Gedanken des für jeden zugänglichen Volkstheaters mit künstlerischem Anspruch betonen. Die Bregenzer Dramaturgie sieht für das Spiel auf dem See eine betonte Visualisierung der Opernthemen vor. Dadurch wird der Inhalt emotional aufgenommen und leichter verständlich, sodass auch für jene Besucher, die selten in die Oper gehen, ein spontanes Verstehen der Vorgänge möglich wird. Diese besondere Art der Darstellung, die Unverwechselbarkeit des Ortes und die besondere Atmosphäre des Theaters unter freiem Himmel, stellen den besonderen Reiz der Bregenzer Festspiele dar.

1979 und 1980

Mit der Eröffnung des Festspiel- und Kongresshauses (1980, neue Seebühne 1979) geht ein lange gehegter Traum der Festspiele in Erfüllung. Obwohl nach vielen Diskussionen nur ein Rumpfprojekt der ursprünglichen Vorlage verwirklicht wurde, sind nun neue Dimensionen möglich. Das Festspielhaus ist mit der Seebühne verbunden, sodass bei einer plötzlichen Wetterverschlechterung eine Aufführung im Haus für rund 1700 der 4500 Besucher möglich ist. Die Festspielhausbühne entspricht in ihren Dimensionen jenen internationaler Häuser. Die neue Seebühne verfügt über einen Betonkern, in dem sich die wichtigsten infrastrukturellen Einrichtungen sowie der Orchestergraben befinden; um diesen Kern herum wird auf Holzpiloten das Fundament für das jeweilige Bühnenbild gelegt.

1972

Während auf der Seebühne gleich zwei verschiedene Musiktheaterproduktionen zur Aufführung gelangen (Der Bettelstudent und Die Feenkönigin), wird der Martinsplatz in der Bregenzer Altstadt, auf dem in den 60er-Jahren gelegentlich Serenadenkonzerte stattfanden, als neuer Aufführungsort entdeckt. Ab nun werden in Zusammenarbeit mit dem Theater für Vorarlberg Schauspielvorführungen unter freiem Himmel geboten. Die Doppelaufführung auf der Seebühne bleibt übrigens einmalig. In Zukunft beschränkt man sich wieder auf eine Inszenierung pro Spieljahr auf dem See.

1962

Die Festspiele dauern durch den Zuspruch des Publikums nicht nur immer länger, es wird auch das Programmangebot erweitert. Ab 1962 werden im Renaissanceschloss in Hohenems Kammermusikkonzerte und Haydnopern gespielt. Auf der Seebühne gelangen seit 1960 mit grossem Erfolg Ballettabende zur Aufführung.

1955

Das Kornmarkttheater wird eröffnet. Dass das erste Bregenzer Theater ursprünglich ein Kornspeicher war, wird in der Namensgebung weitergeführt. Mit rund 700 Sitzplätzen ist das kleine Theater so konzipiert, dass auch Oper und Ballett aufgeführt werden können. Im Sprechtheater wird es zur Heimat des Vorarlberger Landestheaters sowie der Gastvorstellungen des Wiener Burgtheaters, des Volkstheaters, der Josefstadt und zahlreicher deutscher Bühnen im Rahmen der Festspiele. Im Bereich des Musiktheaters werden bis in die 70er-Jahre italienische Spiel- und Belcanto-Opern präsentiert.

1950

Die Bregenzer Festspiele erhalten ihr erstes Zuhause. Auf einer auf Holzpiloten stehenden Bühneninsel gelangen in erster Linie Operette und Ballett zur Aufführung. Der Zuschauerraum umfasst 6500 Plätze, bei Regen kann in eine 1000 Personen fassende Sporthalle ausgewichen werden. Bereits ein Jahr zuvor, 1949, wurde die Bregenzer Festspielgemeinde gegründet, ein Verein, bestehend aus Bregenzer Bürgern, der in der Folge als Veranstalter der jährlichen Festspiele auftritt.

Walter von Hoesslin setzt gemeinsam mit Adolf Rott (Regie) die ersten Schritte in Richtung eines eigenen Bregenzer Aufführungsstils, indem er als Bühnenbildner von der reinen 'Guck-Kastenbühne' auf der Seebühne Abstand nahm. Für ihn ist der See nicht nur Kulisse, sondern zentraler Bestandteil der Aufführungen.

1946

Auf zwei Kieskähnen - einer für die Bühnenaufbauten von Mozarts Jugendwerk Bastien et Bastienne, der andere für das Orchester - fand ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges die erste Bregenzer Festwoche statt. In einer Stadt, die damals nicht einmal über ein Theater verfügte, schien die Idee, Festspiele abzuhalten, aberwitzig, doch die Notlösung, den schönsten Teil der Stadt - den Bodensee - als Bühne zu wählen, erwies sich als durchschlagender Erfolg. Besucher aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und aus Frankreich ließen das Festival schon im ersten Bestandsjahr zu einem internationalen Ereignis werden. Von Beginn an bildeten die Wiener Symphoniker das Festspielorchester und haben bis heute grossen Anteil an der Entwicklung und dem Erfolg des Festivals.

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